Johnny zieht in den Krieg

„Süß und ehrenvoll ist es, für’s Vaterland zu sterben“
Johnny zieht in den Krieg Poster
Johnny zieht in den Krieg verlegt die Perspektive weg von spektakulären Kriegsschauplätzen hinein in die Innenwelt eines einzelnen Opfers – und liefert damit vielleicht die authentischste Umsetzung in der Geschichte dieses Genres.

Die Story im Überblick

USA, 1914: Der 17-jährige Joe (Johnny) Bonham meldet sich im Ersten Weltkrieg freiwillig zum Dienst an der Waffe. Er verspricht seiner Freundin zu überleben und freut sich darauf, Frankreich zu sehen.

Auf dem Schlachtfeld jedoch wird er von einer Granate getroffen und schwer verstümmelt in ein Krankenhaus eingeliefert. Das Gesicht wird irreparabel geschädigt und Arme wie Beine müssen amputiert werden. Johnny überlebt als Torso.

Nach und nach wird ihm bewusst, dass er mit Augen, Mund und Nase sämtliche Sinnesorgane außer der Haut verloren hat, er kann sich weder bewegen noch Kontakt zu seiner Außenwelt aufnehmen – und das bei vollem Bewusstsein.

Immer wieder fleht er schreiend um Hilfe, aber seine Schreie sind nirgendo anders außer in seinem Kopf zu hören. In seiner Verzweiflung verliert er sich in inneren Dialogen mit Jesus, Erinnerungen und Visionen …

Im Militärkrankenhaus jedoch kann sich niemand vorstellen, dass Johnnys Gehirn noch intakt ist und so hält man ihn aus Neugier am Leben, um zu sehen, wie lange ein Mensch in diesem Zustand noch überleben kann.

Nur noch das Kopfnicken ist Johnny möglich, so versucht er seiner Krankenschwester per Morsecode zu übermitteln, dass sie ihn töten soll. Doch bevor sie seiner Bitte nachkommen kann, wird sie durch den Arzt davon abgehalten, der sein „Experiment“ nicht verlieren will.

Johnny wird in eine dunkle Abstellkammer verfrachtet und bleibt allein in seiner ausweglosen Lage …

Unsere Meinung zu Story und Besetzung

Johnny zieht in den Krieg spielt beinahe ausschließlich außerhalb des Schlachtfeldes. Dennoch gibt es kaum einen Kriegsfilm, der die schrecklichen Folgen des Krieges so eindrücklich vor Augen führt. Schwarzweiß-Szenen der Gegenwart wechseln immer wieder mit Farbaufnahmen der Vergangenheit.

Johnnys Flucht in surrealistische Traumsequenzen und Halluzinationen wirken zynisch, bisweilen aber auch heiter – anders wäre die extrem bedrückende und depressive Stimmung dieses Kriegsfilms auch gar nicht zu ertragen.

Der naiv jugendliche Charakter Johnnys, der durch den Krieg zum wehrlosen Opfer wird, steht stellvertretend für Generationen von jungen Menschen, die im Krieg als menschliches Kanonenfutter regelrecht verheizt wurden.

Besonders zynisch wird die Botschaft, wenn man den englischen Originaltitel betrachtet: Johnny got his gun. Mit dem Aufruf „Johnny get your gun!“ wurden junge Amerikaner damals aufgerufen, sich freiwillig zum Dienst an der Waffe zu melden.

Schauspielerisch ist der Film ebenfalls sehenswert: Regisseur Dalton Trumbo konnte neben Timothy Bottoms (DC 9/11: Time of Crisis, The Girl Next Door) auch Donald Sutherland (MASH, Die Säulen der Erde) verpflichten, der in Johnnys Halluzinationen den Jesus mimt.

Unser Fazit zu Johnny zieht in den Krieg

Johnny zieht in den Krieg zeigt, dass ein Kriegsfilm auch ohne einen Tropfen Blut auskommen kann – und dennoch kaum wie ein zweiter die Grausamkeiten des Krieges darzustellen weiß. Ein eindringlicher, deprimierender und zutiefst verstörender Film, der zu den unangefochtenen Meisterwerken dieses Genres zählt.

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